Gender in der Filmproduktion

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Warum wird die Führungsrolle in Filmagenturen stereotyp als Männerberuf angesehen? Frauen sind in der Filmproduktion nur gelegentlich vertreten: manchmal als Kamerafrauen, Oberbeleuchterinnen oder Regisseurinnen, öfter als Koloristinnen oder Editorinnen. Generell ist eine Frau in einer Führungsposition in der Filmbranche jedoch eine Seltenheit. Ihr begegnet man oft mit vorsichtiger Aufmerksamkeit und einer Spur Misstrauen.

Kann sie mit sperriger Videoausrüstung umgehen? Ist sie technisch versiert genug? Wird sie ihre Führungsqualitäten unter Beweis stellen können, wenn sie ein Team von Männern leitet? Wie überzeugend sind ihre gestalterischen Entscheidungen an Sets in Branchen, in denen Frauen selten vertreten sind?

Nehmen wir an, ein Unternehmen aus der Schwerindustrie sucht eine Filmagentur und findet ein scheinbar passendes Team (gemessen an der Qualität des Portfolios), in dem jedoch eine Frau die Abläufe managt, Regie führt und sogar die Hauptkamera steuert. Kann sie die ‚harten Kerle‘ in diesem Unternehmen überzeugen? Weiß sie, welche erzählerischen Akzente in der Schwerindustrie besonders hervorgehoben werden müssen?

Eine Frau in der Filmbranche wird unwillkürlich mit einem männlichen Filmemacher verglichen. Seine ästhetischen Vorstellungen, seine physischen Voraussetzungen und seine gesellschaftlich anerkannte Führungsrolle – allein aufgrund seines Geschlechts – gelten als Standard, an dem Frauen gemessen werden.

Auch ich selbst war früher in Gefahr, von stereotypen Ansichten beeinflusst zu werden. Als Kind wurde ich in Tiflis von einem Künstler unterrichtet, der an der Akademie der Künste lehrte. Er brachte mir Komposition, Grafik und Malerei bei. Obwohl ich ihn für einen fortschrittlich denkenden Spezialisten halte, erinnere ich mich an seine Sätze: „Man sollte nicht wie eine Frau malen, sondern mit einer 'männlichen Hand'.“ Oder: „Wenn das Gemalte schön erscheint, bedeutet es, dass es zu feminin ist. Bei einem Pinselstrich ist nicht die Schönheit wichtig, sondern der Mut.“ Mut wurde somit automatisch nur mit Männlichkeit korreliert. Später erkannte ich, wie verzerrt diese Ansichten waren. Der Künstler wollte keinesfalls die Talente von Frauen herabwürdigen, war sich aber nicht bewusst, wie herabwürdigend seine Worte wirken konnten.

Als Erwachsene beschloss ich, durch meine eigene Erfahrung zu zeigen, dass es in der Filmbranche keine geschlechtsspezifischen Vorteile gibt. Es freut mich, dass heutzutage immer mehr Frauen in verschiedenen Branchen Stereotype durchbrechen. Diese Entwicklung geschah auf völlig natürliche Weise: Die Männerwelt gerät zunehmend in Widersprüche. Das männlich dominierte System stößt an seine Grenzen.

Mit der Zeit wurde mir klar: Kameraführung, Lichtgestaltung, visuelles Erzählen sind in der Filmindustrie oft echte Herausforderungen – sie erfordern Kompetenz, Kraft, Mut und nicht zuletzt Improvisation. Doch in ihrem Wesen sind diese Herausforderungen geschlechtsneutral.

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